Donnerstag, 18. Januar 2018

Grobschnitt – Jumbo




Grobschnitt – Jumbo


Besetzung:

Joachim H. Ehrig (Eroc) – Schlagzeug, Perkussion, elektronische Effekte, alberne Stimmen und Schikane
Gerd Otto Kühn (Lupo) – Soloelektrogitarre, Geschäftskram
Stefan Danielak (Wildschwein) – Gesang, Chor, Rhythmus- und Akustikgitarre
Wolfgang Jäger (Pepe) – Bassgitarre und freundliches Lächeln
Volker Kahrs (Mist) – Orgel, Mellotron, Klavier, Klafünf, Synthesizer und elektronisches Bügelbrett


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Jupp (0:12)
2. Vater Schmidt’s Wandertag (9:39)
3. Der Clown (6:55)
4. Traum und Wirklichkeit (5:27)
5. Sonntag’s Sonnabend (11:27)
6. Auf Wiedersehen (0:47)


Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2015:

7. Vater Schmidt / Father Smith (Live At Jugendheim Niedermühlenkamp, Bielefeld / 1977) (10:24)
8. The Clown (Live At Haus der Jugend, Lünen / 1977) (6:50)
9. Sunny Sunday’s Sunset (Live At Haus der Jugend, Lünen / 1977) (11:15)
10. Sonnenflug (live) (4:03)
11. Der Ölberg, wie er singt und lacht (Live At Haus der offenen Tür, Rheine / 1975) (12:04)

Gesamtspieldauer: 1:19:08



„Jumbo“ heißt das dritte Studioalbum der Hagener Progressive Rock Band Grobschnitt. In zwei unterschiedlichen Versionen wurde die Scheibe veröffentlicht. Im Jahr 1975 erschien die englischsprachige Ausgabe des Albums, ein Jahr später dann die auf Deutsch eingesungene Variante der Platte. Beide Alben wurden damals auf dem inzwischen nicht mehr existenten Plattenlabel Metronome Records veröffentlicht. Bei dem nun besprochenen Album handelt sich um eine im Jahr 2015 remasterte Fassung von „Jumbo“ in der deutschen Ausgabe. Die englischsprachigen Varianten der Lieder wurden der Scheibe in Form von Live-Einspielungen als Zugaben beigefügt.

Man hört auch auf „Jumbo“ den für Grobschnitt so typischen, sehr melodischen und harmonischen Progressive Rock. Weiche und sanfte Passagen wechseln sich dabei mit härteren und nach vorne preschenden Abschnitten ab. Dazu gelingt es der Band auch immer wieder, speziell in den Instrumentalpassagen, einen fast schon hypnotischen Effekt zu erzeugen, wenn bestimmte Themen oder Akkorde immer und immer wieder wiederholt werden. Selbstverständlich darf auch auf „Jumbo“ eine ordentliche Prise Klamauk nicht fehlen, die immer wieder mal kurz aufleuchtet. „Jupp“ und „Auf Wiedersehen“ sind solche Spaß-Lieder zu Beginn und am Ende des ursprünglichen Albums, doch wird auch bei den anderen Titeln entsprechender Humor befeuert – hier allerdings sehr dosiert.

Musikalisch gesehen gehen die einzelnen Titel nicht ganz so ins Ohr wie auf den beiden Vorgängern. Die Ausnahme bildet auf „Jumbo“ jedoch das wahrlich gelungene „Sonntag’s Sonnabend“, gleichfalls auch das längste Lied der Platte. Hier klingen Grobschnitt eingängig und interessant, hypnotisch und spannend, abwechslungsreich und melodiös. Keine Sekunde ist dieser Titel zu kurz und die Nummer wird auch nach dem hundertsten Mal des Hörens kein bisschen langweilig. Ebenso können die Lieder „Vater Schmidt’s Wandertag“ sowie „Traum und Wirklichkeit“ noch punkten, wenn auch nicht mehr so überzeugend wie das längste Stück des Albums. Gut und lohnend gehört zu werden sind sie jedoch allemal. Insgesamt macht die Platte damit durchaus Laune, wenn man denn auf die harmonische Ausprägung des Progressive Rocks steht.

Auch dieses Mal wurde bei der remasterten Wiederveröffentlichung nicht gegeizt. Bei „Jumbo“ sind es die gleichen Titel, die nun nochmals zu hören sind, jedoch live eingespielt und in der englischen Variante, wie sie ein Jahr zuvor veröffentlicht worden waren. Die Soundqualität ist dabei sehr gut, bis auf jene beim letzten Stück „Der Ölberg, wie er singt und lacht“. Diese Einspielung klingt eher dumpf und flach. Allerdings ist diese Nummer praktisch ein reines Spaß-Lied, welches entbehrlich ist.

Fazit: Für Grobschnitt Fans ganz sicher eine tolle Platte. Und auch wer gerne Progressive Rock aus Deutschland hört, wird hier bestens bedient. Mag man dazu noch die melodiöse Ausprägung dieses musikalischen Genres, kann gar nichts mehr schiefgehen und man wird die Platte lieben. „Jumbo“ ist vielleicht nicht das beste Grobschnitt Album geworden, allerdings immer noch ein sehr hörenswertes. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sonntag’s Sonnabend



Mittwoch, 17. Januar 2018

PJ Harvey – Uh Huh Her




PJ Harvey – Uh Huh Her


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitars, bass, piano, melodica, accordion, autoharp


Gastmusiker:

Rob Ellis – drums, percussion, backing vocals (3)
Head – backing vocals (3, 5)
Evelyn Isaac – backing vocals (7, 14)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Rock, Punk, Folk Rock


Trackliste:

1. The Life & Death Of Mr. Badmouth (4:53)
2. Shame (2:33)
3. Who The Fuck? (2:09)
4. Pocket Knife (3:44)
5. The Letter (3:22)
6. The Slow Drug (3:25)
7. No Child Of Mine (1:08)
8. Cat On The Wall (3:03)
9. You Come Through (2:48)
10. It's You (4:13)
11. The End (1:23)
12. The Desperate Kingdom Of Love (2:44)
13. Seagulls (1:11)
14. The Darker Days Of Me & Him (4:34)

Gesamtspieldauer: 47:23




„Uh Huh Her“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Musikerin und Sängerin Polly Jean Harvey. Die Platte wurde von ihr über einen Zeitraum von zwei Jahren geschrieben, aufgenommen und produziert – alles in Eigenregie. Auch die Instrumente wurden von ihr, mit Ausnahme des Schlagzeugs, für welches ihr wieder Rob Ellis zur Verfügung stand, selbst eingespielt. „Uh Huh Her“ erschien am 31. Mai 2004 auf dem Plattenlabel Island Records. Auch wenn die Platte mit Platz 29 in den US-amerikanischen Billboard 200 die bisher höchste Platzierung in den USA erreichte, so verkaufte es sich weltweit insgesamt doch schlechter als ihre bisherigen Alben.

Die musikalische Bandbreite auf dem Album ist eine deutlich größere, als noch auf den Vorgängeralben. Zwar hört man auch auf „Uh Huh Her“ wieder Alternative Rock, doch auch der Punk war zurückgekommen und dominiert zum Beispiel solch ein Lied, mit dem für den Punk passenden Titel, „Who The Fuck“. Doch es gibt auf dem Album noch weitere Töne in der Musik der PJ Harvey zu hören. Folk Rock erweitert nun das musikalische Spektrum der Engländerin und gerade diese Titel können auf „Uh Huh Her“ auch sehr überzeugen. Dazu gibt es sogar reine Instrumentalnummern, bei denen es sich im Falle von „Seagulls“, wie könnte es anders sein, um reines Möwengeschrei handelt. Sehr sanfte und eingängige Klänge konkurrieren auf „Uh Huh Her“ mit deutlich schrägeren Tönen, die bis ins Aggressive hineinreichen können.

Einer der Höhepunkte auf „Uh Huh Her“ ist das, aufgrund seiner Instrumentierung sehr ungewöhnliche und auch sonst fast ein wenig avantgardistisch klingende „You Come Through“. Auch jenes sehr kurze, minimalistische und folkige Instrumentalstück „The End“ kann hierzu gezählt werden. Ebenfalls „The Desperate Kingdom Of Love“. Ein Lied, welches wohl ebenso am ehesten dem Folk zugerechnet werden kann, bei dem die Musik und der Gesang der PJ Harvey äußerst zerbrechlich und weich klingen. Und schließlich wäre da noch die letzte Nummer der Platte zu erwähnen, „The Darker Days Of Me & Him“. Eine erneut eher sanfte Nummer, durchaus im Alternative Rock angesiedelt, die sich langsam steigert und bestens ins Ohr geht.

Fazit: „Uh Huh Her“ hat Poly Jean Harvey nicht nur alleine eingespielt, es ist auch das Album, welches die bisher größte musikalische Spannbreite aufweist. Alternative Rock, Punk, Folk und etwas Instrumentalmusik gibt es auf dem achten Album der Engländerin zu hören. Nicht alles davon ist unbedingt hörenswert, einiges jedoch ganz bestimmt. Zwar präsentiert sich „Uh Huh Her“ keinesfalls einheitlich, dafür wird es einem beim Hören niemals langweilig. Es gibt viel zu entdecken. Neun Punkte.

Anspieltipps: You Come Through, The End, The Desperate Kingdom Of Love, The Darker Days Of Me & Him



Dienstag, 16. Januar 2018

Can – Tago Mago




Can – Tago Mago


Besetzung:

Damo Suzuki – vocals
Holger Czukay – bass
Michael Karoli – guitar, violin
Jaki Liebezeit – drums, double bass, piano
Irmin Schmidt – organ, electric piano, vocals on "Aumgn"


Label: Spoon Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Krautrock, Psychedelic Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Paperhouse (7:28)
2. Mushroom (4:03)
3. Oh Yeah (7:22)
4. Halleluhwah (18:32)
5. Aumgn (17:36)
6. Peking O (11:37)
7. Bring Me Coffee Or Tea (6:46)

Gesamtspieldauer: 1:13:29



„Tago Mago“ heißt die dritte Veröffentlichung der Kölner Band Can und ist gleichzeitig ihr zweites offizielles Studioalbum. Erschienen ist die Platte ursprünglich als Doppelalbum im Februar des Jahres 1971 und hinterlässt bis heute Spuren bei diversen Musikern und auch den Hörerinnen und Hörern. Bei Can hatte sich etwas getan. Der Japaner Damo Suzuki war nun festes Mitglied der Formation geworden, der ursprüngliche Sänger Malcolm Mooney hatte die Band verlassen. Was dann mit „Tago Mago“ folgte, war an Wucht und Intensität kaum mehr zu überbieten.

Ich kenne nichts Vergleichbares, nichts, was wie „Tago Mago“ klingt. Echt Nichts. Ist das jetzt wirklich noch Musik? Ganz sicher kann man sich dabei nur an manchen Stellen des Albums sein. Irgendwie fängt alles noch ganz harmlos an. Die ehemalige Seite 1 der Platte enthält psychedelisch angehauchten Krautrock, zumeist nicht zu melodiös und eingängig, jedoch noch nicht zu weit weg von der „Norm“. „Paperhouse“ geht dabei sogar ziemlich schnell ins Ohr, „Mushroom“ klingt schräg bis atonal und bei „Oh Yeah“ wird der Text rückwärts eingesungen. Seltsam ist das alles irgendwie schon hier, aber eben noch nicht zu weit entfernt vom Konventionellen. Can experimentieren eben ganz gerne, warum also soll man ein Lied nicht auch mal rückwärts einsingen? Klingt doch spannend.

Dann folgen allerdings die ehemalige zweite und dritte Plattenseite des Albums und danach scheint alles irgendwie anders zu sein. Musik ist nicht mehr nur Musik. Musik ist Geräuschkulisse geworden, falsch und mystisch klingend, sich unfassbar merkwürdig, zum Teil sich grausam und zerstörerisch anhörend. Abschnitte, die auf Musik und ein Lied hinweisen gibt es, jedoch stehen diese scheinbar nicht im Vordergrund der Stücke „Halleluhwah“ und „Aumgn“. „Halleluhwah“ wirkt allerdings noch durch einen nie enden wollenden Rhythmus, der zwar durch kurze Einschübe selten unterbrochen wird, jedoch sofort wieder aufflammt und stoisch weiter seine Kreise zieht. Das Lied vibriert, stampft und neben all jener Rhythmik generieren sich seltsame Laute, sonderbare Geräusche, schräge Töne und schließlich zur Krönung noch eine Art zunächst gelangweilter Gesang, der später zu allem Überfluss auch noch falsch klingt, sodass man alles nur noch sehr schwer zusammen bekommt. Monotonie hüllt einen dabei ein und lässt einen nicht mehr los. Nur dieses Geschrei versucht anscheinend Hörerinnen und Hörer daraus herauszulösen, schafft es jedoch nicht mehr. Verloren und gefangen.

Nachdem „Halleluhwah“ verklungen ist, folgt mit „Aumgn“ das zweite fast zwanzigminütige Stück auf „Tago Mago“. Mag man zu Beginn der Nummer noch von relativ sphärischer Musik sprechen können, so ändert sich dieser Eindruck immer mehr. Musik und Noten wandeln sich immer mehr zu Geräuschen, zu bedrückenden Stimmungen, zu eigenartigen Klängen. Brutal konsequent ziehen Can das bei diesem Stück durch. Es klingt falsch, beklemmend, kakophonisch. Kann man hier wirklich noch durchgängig von Musik sprechen oder sind das zumindest zum Teil nur noch Klanggebilde, losgelöst von jeglicher Struktur und Form? Wohl eher Letzteres trifft auf diese Art der akustischen Befeuerung zu. Sicherlich einzigartig in dieser Konsequenz. Auch das folgende „Peking O“ entlässt einen noch nicht in den Frieden seiner Umwelt. Nun ist es zumeist der Gesang des Damo Suzuki, der einen aus gewohnten Hörerlebnissen herausreißt. Nichts scheint hier mehr herkömmlich, nichts mehr gewöhnlich zu sein oder zu klingen.

Irgendwie dann doch versöhnlich, mit dem Stück „Bring Me Coffee Or Tea“, klingt „Tago Mago“ schließlich aus. Das letzte Lied ist nun tatsächlich wieder ein Lied, hat Struktur, sogar eine Melodie ist da herauszuhören. Auf den allermeisten Platten wäre dieses Stück furchtbar „abgefahren“, hier jedoch holt es einen ab, fängt Hörerin und Hörer wieder ein und führt diese zurück in die Realität. Ein versöhnlicher Abschluss.

Fazit: Oh nein, selbstverständlich ist „Tago Mago“ keine Musik für den Massenmarkt und vielleicht muss man sogar ein musikalischer „Freak“ sein, um diese Platte überhaupt durchhören zu können. Doch „Tago Mago“ ist etwas Besonderes, etwas, was es sonst so nicht gibt. Hier wurden definitiv neue Wege beschritten, die in dieser Konsequenz danach wohl auch nicht mehr begangen wurden. Ich könnte dieses Album niemals zu meinem Lieblingsalbum küren, jedoch hinterlässt die Scheibe Spuren, sehr viele Spuren. Ich fühle mich durch „Tago Mago“ bewegt, das schafft bei Weitem nicht jede Musik. Elf Punkte.

Anspieltipps: Paperhouse, Halleluhwah



Montag, 15. Januar 2018

U2 – Songs Of Experience




U2 – Songs Of Experience


Besetzung:

Bono – vocals
The Edge – guitars, vocals, keyboards
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen Jr. – drums, percussion


Gastmusiker:

Andy Barlow – additional keyboards (tracks 1, 9), programming (1), sound design (1)
Jacknife Lee – additional keyboards (2–3, 5, 11–12), additional guitar (2, 5, 10–12), programming (2–3, 5, 11–12), keyboards (6), additional backing vocals (12)
Haim – additional backing vocals (2)
Ryan Tedder – programming / additional programming (3, 6, 7), additional backing / background vocals (4, 6, 7, 8), keyboards (6), additional guitar (8)
Brent Kutzle – programming/additional programming (3, 6, 7), keyboards / additional keyboards (4, 6), additional guitar / acoustic guitar (6, 7)
Davide Rossi – strings (3, 10)
Kendrick Lamar – outro (4), intro (5)
Goshua Usov – additional keyboards (4)
Jolyon Thomas – additional guitar (4, 9), additional keyboards (4, 9)
Brandon Collins – string arrangement (6)
Amy Helman – violins (6)
Avery Bright – violins (6)
Betsy Lamb – viola (6)
Paul Nelson – cello (6)
Noel Zancanella – additional programming (6)
Nate Lotz – additional percussion (6)
Lady Gaga – background vocals (6)
Steve Wilmot – additional percussion (7)
Declan Gaffney – additional keyboards (7)
Julian Lennon – additional background vocals (7)
Andrew Taggart – additional keyboards (12)
Paul Epworth – programming (13), additional keyboards (13)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Love Is All We Have Left (2:41)
2. Lights Of Home (4:16)
3. You're The Best Thing About Me (3:45)
4. Get Out Of Your Own Way (3:58)
5. American Soul (4:21)
6. Summer Of Love (3:24)
7. Red Flag Day (3:19)
8. The Showman (Little More Better) (3:23)
9. The Little Things That Give You Away (4:55)
10. Landlady (4:01)
11. The Blackout (4:45)
12. Love Is Bigger Than Anything In Its Way (4:00)
13. 13 (There Is A Light) (4:19)

Gesamtspieldauer: 51:14




„Songs Of Experience“ heißt das vierzehnte Studioalbum der irischen Band U2. Am 1. Dezember 2017 wurde das Album auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht. Der Albumtitel wurde, wie bereits der des Vorgängeralbums „Songs Of Innocence“, vom Gedichtband des Engländers William Blake abgeleitet, der diesen unter dem Titel „Songs Of Innocence And Of Experience“ im Jahr 1794 veröffentlichte. Das Album-Cover zeigt Bono’s Sohn Eli und The Edge’s Tochter Sian beim Händchenhalten. „Songs Of Experience“ beinhaltet thematisch Briefe, die Sänger Bono an Orte und Menschen schrieb, die ihm am Herzen liegen.

Musikalisch klingt „Songs Of Experience“ leider alles andere als innovativ. Klar ist die Musik auf dem Album eindeutig als jene von U2 auszumachen, doch diese wunderschönen Stücke, die sich auf anderen Scheiben der Band befinden, die sucht man hier vergebens. Ohne behaupten zu können, dass „Songs Of Experience“ eine schlechte Platte wäre, so zündet sie trotzdem nicht. Viel mehr hört man hier eher durchschnittlichen Pop-Rock, der einen mal mehr, ein anderes Mal deutlich weniger packt. Was auf „Songs Of Experience“ besonders überzeugt, liegt dabei ganz am musikalischen Geschmack der Hörerin oder des Hörers. Wohl kaum jemand wird allerdings diese Scheibe als die beste von U2 betiteln. Dazu sind die einzelnen Lieder einfach zu gewöhnlich geworden.

Ins Ohr geht auf „Songs Of Experience“ einiges, nicht allzu viel davon versteht sich jedoch auch festzusetzen – auch nicht nach mehreren Durchläufen. Positiv erwähnenswert wären da der kurze Opener „Love Is All We Have Left“, das sanfte und doch etwas groovende „Summer Of Love“ sowie die beiden aufeinanderfolgenden Stücke „The Little Things That Give You Away“ sowie „Landlady“. Klingt erstgenannte Nummer sehr schön sehnsüchtig und man hört hier den typischen U2-Gitarrensound, so ist „Landlady“ wohl das Stück der Platte mit den eingängigsten Harmonien.

Fazit: Das viertzehnte Album von U2 mit dem Titel „Songs Of Experience“ wurde nicht wie der Vorgänger zunächst auf i-Tunes veröffentlicht, sondern erschien sofort auch auf CD. Der Ärger war der Band damals wohl genug, sodass man wieder herkömmliche Wege ging. „Songs Of Experience“ ist ein eher durchschnittliches Album geworden. Das gilt sowohl im Vergleich zur bisherigen Musik von U2, wie auch im Vergleich zu anderen Pop-Rock-Scheiben. Und genau das ist es auch, was man auf dem Album hört, nämlich eine eher unspektakuläre Mischung aus Rock und Pop, die nicht großartig für Aufsehen und Aufregung sorgt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Love Is All We Have Left, Summer Of Love, The Little Things That Give You Away, Landlady



Sonntag, 14. Januar 2018

David Gilmour – Rattle That Lock




David Gilmour – Rattle That Lock


Besetzung:

David Gilmour – lead vocals (all), guitars (all), keyboards (all except 8), piano (1, 3, 4, 5), sncf sample (2), hammond organ (2, 5, 9), bass guitar (5, 6, 7, 10), bass harmonica (7), electric piano (9, 10)


Gastmusiker:

Jon Carin – electric piano (9)
David Crosby – backing vocals (4)
Graham Nash – backing vocals (4)
Danny Cummings – percussion (3, 4, 5, 7, 10)
Steve DiStanislao – drums (2, 3, 5, 7, 9), percussion (2, 3, 7), backing vocals (2)
Roger Eno – piano (4, 7)
Martin France – drums (8)
Gabriel Gilmour – piano (6)
Jools Holland – piano (8)
Damon Iddins – accordion (3), calliope keyboard (3)
Rado Klose – guitar (8)
Chris Laurence – double bass (8)
The Liberty Choir – backing vocals (2)
Phil Manzanera – hammond organ (2, 3), keyboard elements (2, 3, 6), acoustic guitar (3, 9)
Louise Marshall – backing vocals (2, 9)
Andy Newmark – drums (5, 6, 10)
Eira Owen – french horn (3)
John Parricelli – guitar (8)
Mica Paris – backing vocals (2, 9)
Guy Pratt – bass guitar (2, 9)
Mike Rowe – electric piano (9)
Polly Samson – backing vocals (9)
Yaron Stavi – bass guitar (2), double bass (2, 4, 5), backing vocals (2)
Colin Stetson – saxophone (8)
Richard Wright – voice sample (4)
Robert Wyatt – cornet (8)
Zbigniew Preisner – orchestration (1, 3, 5, 6, 9, 10)
Michaël Boumendil – original sncf jingle (2)


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Rock


Trackliste:

1. 5 A.M. (3:04)
2. Rattle That Lock (4:55)
3. Faces Of Stone (5:32)
4. A Boat Lies Waiting (4:34)
5. Dancing Right In Front Of Me (6:11)
6. In Any Tongue (6:46)
7. Beauty (4:28)
8. The Girl In The Yellow Dress (5:25)
9. Today (5:55)
10. And Then... (4:29)

Gesamtspieldauer: 51:25



„Rattle That Lock“ heißt das vierte Solo-Album des Ex-Pink Floyd Gitarristen David Gilmour. Es erschien am 18. September 2015 und wurde auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Auf „Rattle That Lock“ hört man an vielen Stellen unverwechselbar David Gilmour heraus, gerade der Klang seiner Gitarre lässt hier kaum Möglichkeiten der Verwechslung zu. Dazu diese Stimme, absolut keine Verwechslung mehr möglich. Speziell klingen dabei die Instrumentallieder und Instrumentalpassagen wie kleine Reminiszenzen an längst vergangene Tage.

Leider stellt man beim Hören der Scheibe allerdings auch schnell fest, dass David Gilmour gerade in der Verbindung zu Roger Waters, vielleicht auch noch in Kooperation mit Rick Wright zusammen, in der Lage war, geniale Musik schreiben. Auf „Rattle That Lock“ ist das leider immer nur ansatzweise zu hören. Das soll nicht bedeuten, dass die Lieder auf dem Album schlecht klingen oder gar nicht unterhalten. Doch im Grunde genommen ist das, was David Gilmour hier seinen Hörerinnen und Hörern vorsetzt, oftmals ziemlich austauschbarer Pop-Rock geworden, der nur an ganz wenigen Stellen aufhorchen lässt.

Drei Instrumentalstücke gibt es auf „Rattle That Lock“. Zu zwei der weiteren Titel schrieb David Gilmour selbst den Text. Die restlichen Liedertexte steuerte Polly Samson bei, Journalistin, Autorin und gleichzeitig auch die Ehefrau des David Gilmour. Gabriel Gilmour, David Gilmours Sohn, hat auf „Rattle That Lock“ übrigens ebenfalls einen Auftritt, er spielt das Piano auf dem Stück „In Any Tongue“. Auch Roxy Music Keyboarder und Gitarrist Phil Manzanera war beim Einspielen der Titel beteiligt und schließlich sind Graham Nash sowie David Crosby beim Stück „A Boat Lies Waiting“ im Hintergrund zu hören. Doch trotz all dieser Beteiligung, weder textlich noch musikalisch kann die Scheibe vollends überzeugen. Fängt alles noch ganz interessant mit der Instrumentalnummer „5 A.M.“ an, so klingt das bei dem Titellied „Rattle That Lock“ schon anders. Die Nummer basiert auf dem SNCF-Jingle, der Erkennungsmelodie der französischen Eisenbahn. Nicht weiter schlimm, doch das Lied klingt eben poppig bis rockig, nur dieser Gitarrensound möchte uns hier noch etwas anderes verkaufen. Das folgende Stück „Faces Of Stone“ stellt für mich den Höhepunkt der Scheibe dar. Sehr bedächtig mit sanften Pianoklängen beginnend, im weiteren Verlauf folkiger werdend und schließlich werden sogar Themen aufgegriffen, die an Zirkus-Musik erinnern. Hier klingt David Gilmour spannend, sehr abwechslungsreich und überaus eingängig – auch wenn dieser Titel gerade so gar nichts mit der Musik von Pink Floyd zu tun hat.

Leider war es das dann auch bereits mit den Höhepunkten. Die Platte plätschert vor sich hin, ohne dabei wirklich schlecht zu klingen. Überzeugend ist das allerdings auch nicht, eher austauschbar. Pop-Rock, Mainstream oder wie auch immer man das nennen möchte. Eine Ausnahme stellt noch die Nummer „The Girl In The Yellow Dress“ dar. Jetzt klingt David Gilmour leicht jazzig swingend. Da haben wir die Abwechslung, das Auffällige. Aber musste das wirklich sein? Nun, Herr Gilmour hat es wahrlich schwer, kann es nur wenigen Recht machen. Ansonsten wird an der ein oder anderen Stelle von ihm nochmals an die eigene musikalische Vergangenheit erinnert. „A Boat Lies Waiting“, klingt das Lied nicht sehr ähnlich wie „Us And Them“? Die Lieder hinterlassen einfach kaum Spuren mehr, setzen sich nicht mehr fest, klingen aus oder werden zumeist ausgeblendet. Aus vorbei.

Fazit: Es ist meiner Meinung nach überhaupt nicht schlimm, wenn sich Musikerinnen und Musiker selbst zitieren, denn sie stehen zumeist für eine ganz spezielle, eigene Art der Musik, wenn sie denn nicht rein im Mainstream verwurzelt sind. Man kann das nicht nur als Wiederholung, sondern durchaus auch als Ausweitung der Musik auffassen. David Gilmour zitiert sich auf „Rattle That Lock“ zwar ebenfalls selbst, bleibt dabei jedoch irgendwie hängen, stecken, endet schließlich im Mainstream des poppigen Rocks. Das Album ist damit auch immer noch keine schlechte Scheibe, jedoch auch nicht mehr als Durchschnitt. Acht Punkte.

Anspieltipps: 5 A.M., Faces Of Stone



Samstag, 13. Januar 2018

The Pineapple Thief – Abducted At Birth




The Pineapple Thief – Abducted At Birth


Besetzung:

Bruce Soord – guitars, keyboards, samples, vocals
Nick Lang – all the rest


Label: KScope


Erscheinungsdatum: 1999 / 2017


Stil: Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Private Paradise (11:48)
2. Drain (6:35)
3. Whatever You Do, Do Nothing (6:20)
4. No One Leaves This Earth (5:54)
5. Punish Yourself (4:26)
6. Everyone Must Perish (4:38)
7. Judge The Girl (6:12)
8. Parted Forever (19:00)
9. Mysterious Extra Track (4:20)

Gesamtspieldauer: 1:09:17




Das erste Album der englischen Band The Pineapple Thief, welche im Grunde genommen das Solo-Projekt des Bruce Soord darstellt, erschien im Jahr 1999 unter dem Titel „Abducting The Unicorn“ auf dem Plattenlabel Cyclops Records. Im November 2017, nachdem für die vergriffene und nicht wieder aufgelegte erste Ausgabe bereits Mondpreise verlangt wurden, erschein das Album erneut, jetzt remastert und neu abgemischt auf dem Label KScope. Überraschend dabei ist, dass Bruce Soord hierfür einen neuen Namen, nämlich „Abducted At Birth“ wählte. Allerdings ist dieser Name der ursprüngliche Name des Albums, denn die damalige Plattenfirma Cyclops Records änderte diesen Titel in „Abducting The Unicorn“ um. Zusätzlich wurde das Album mit einem neuen Cover ausgestattet und auch die Laufzeiten der einzelnen Lieder haben sich geändert – allerdings nur minimal. Die beiden längeren Stücke des Albums wurden etwas verlängert, im Falle von „Parted Forever“ um knapp eine Minute, die kürzeren um drei bis vier Sekunden gekürzt, sodass insgesamt eine Spielzeitverlängerung von etwa einer halben Minute daraus resultiert.

Ich kenne die Aufnahme von 1999 nicht, da ich erst durch die Kollegen der Babyblauen Seiten auf The Pineapple Thief aufmerksam wurde, kann also keine klanglichen Vergleiche anstellen. Diese neue Ausgabe des ersten Pineapple Thief Albums klingt in meinen Ohren allerdings bestens abgemischt und lässt klanglich keinerlei Wünsche offen. Die Musik begeistert ebenso. Zu hören ist hier New Art Rock mit tollen, eingängigen Melodien und dem ein oder anderen experimentellen Ausflug. Für das erste Werk einer Band wahrlich sehr überzeugend. Auf „Abducting The Unicorn“ beziehungsweise „Abducted At Birth“ wird der Musik Zeit eingeräumt sich zu entwickeln. Ein musikalisches Thema erwächst, generiert verschiedene Facetten, wird variiert. Das klingt zum Teil fast schon hypnotisierend, wenn ein Akkord oder Lauf dementsprechend ausgebaut wird. Das Schöne daran ist, dass Bruce Soord es durch immer neue und kleine Variationen schafft, dabei niemals Langeweile aufkommen zu lassen.

Gut hörbar ist auf dem Album alles. Man darf nur keine zu frickeligen Parts erwarten, denn diese gibt es auf diesem Debut-Album kaum. Alles ist mit eingängigen Harmonien und Melodien versehen und wer zusätzlich auf sehr abwechslungsreiche, sich wandelnde Titel steht, wird mit „Parted Forever“ ebenfalls bestens bedient. Der Sound ist eher Gitarren-lastig und rockig, als Synthesizer-dominiert und sphärisch. Doch auch diese Abschnitte gibt es in der Musik von The Pineapple Thief, was das Gesamthörerlebnis noch abwechslungsreicher werden lässt. Höhepunkt ist für mich die Instrumentalnummer „Everyone Must Perish“. Bei einem Titel der übersetzt bedeutet „Jeder muss mal sterben“, ist diese Vorgabe mitreißend und völlig anders umgesetzt worden, als man dies wahrscheinlich erwarten würde.

Fazit: Ein sehr schönes Debut-Album ist The Pineapple Thief mit „Abducting The Unicorn“ gelungen. Die Wiederauflage mit dem Titel „Abducted At Birth“ klingt soundtechnisch und klanglich sehr überzeugend, die Musik rockig, an vielen Stellen mitreißend, immer abwechslungsreich und sehr melodisch. The Pineapple Thief gehen ins Ohr – bereits mit ihrem ersten Album. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Private Paradise, Punish Yourself, Parted Forever



Freitag, 12. Januar 2018

Various Artists – Neo.Pop 08




Various Artists – Neo.Pop 08


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Una Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Techno


Trackliste:

CD1:

1. Data MC vs. Nhan & Taan – To Young To Die (Lexy Remix For Rutte) (7:45)
2. Caribou – Odessa (5:15)
3. Moderat – Rusty Nails (4:31)
4. Niconé & Sascha Braemer – Thank You (5:37)
5. Chapeau Claque – Pale Blue (Enlivencosmo Remix) (5:02)
6. Hundreds – Song For A Sailor (3:05)
7. Jakob Seidensticker – I Feel Loved (Einmusik Remix) (7:42)
8. Kasper Bjørke – Efficient Machine (5:05)
9. Oliver Koletzki – Hypnotized (Featuring Fran) (5:40)
10. Northern Lite – In Japan (5:59)
11. Fever Ray – Triangle Walks (Tiga's 1-2-3-4 Remix) (5:18)
12. Frittenbude – Bilder Mit Katze (4:55)
13. Peaches – Loose You (3:32)
14. Transmitter – Nevermess (Northern Lite Remix) 3:38)


CD2:

1. Onze – Goodbye Lino (5:20)
2. Steffi – Kill Me (Featuring Elif Biçer / Original Mix) (4:19)
3. Thomas / Mayer – Total 9 (6:05)
4. Fritz Kalkbrenner – Was Right Been Wrong (Original Mix) (5:35)
5. Gui Boratto – Take My Breath Away (6:13)
6. End Of Tape – Orgelastisch (7:52)
7. Marek Hemmann – Left (Featuring Fabian Reichelt) (7:19)
8. Code 718 – Equinox (Henrik Schwarz Remix) (5:35)
9. Møenster – Babe (Pre #3) (7:12)
10. Audision – Phase Flow (Ada & Thomas Remix) (4:48)
11. Marlose – Avantgardistisch (4:58)
12. Northern Lite – Wicked Mess (4:26)
13. Bomb The Bass – Happy To Be Cold (Featuring Richard Davis) (4:49)
14. Paul Kalkbrenner – Azure (5:07)

Gesamtspieldauer CD1 (1:13:09) und CD2 (1:19:43): 2:32:52




Die beiden Techno DJs Boon und Gunjah haben mit dem Doppelalbum „Neo.Pop 08“ zwei tanzbare Techno-Scheiben veröffentlicht, auf denen es allzu häufig nach Bum-Bum-Bum-Bum-Bum-Bum-Bum-Bum klingt. Die erste der beiden CDs wurden von den beiden DJs zusammengesellt, die zweite CD haben sie dann zusätzlich eigenhändig abgemischt. Erschienen ist das Ergebnis dieser Zusammenarbeit schließlich im Jahr 2010 auf dem Label Una Records.

28 Pop-Lieder wurden hier zu Technostampfern umfunktioniert, die allesamt das Potential besitzen, entsprechende Tanzflächen ausgesuchter Einrichtungen zu füllen. Einige der Lieder gehen dabei auch recht gut ins Ohr, klingen melodiös und eingängig und bleiben auch hängen. Selbst wenn man kein ausgewiesener Techno-Freund ist, so kommt man beim Hören gar nicht umhin, mit den Füßen etwas mit zu wippen.

Der Beat steht absolut im Vordergrund und Freundinnen und Freunde „handgemachter“ Musik werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn natürlich klingt auf „Neo.Pop 08“ fast alles unglaublich künstlich und synthetisch. Jedoch weisen die Lieder in ihren oft sehr monotonen Beats fast schon einen hypnotischen Charakter auf, der einen auch ohne anderweitige Unterstützung in völlig fremde und surreale Welten transportiert, wenn man sich denn auf diese Musik einlassen kann. Auf der zweiten CD gehen die einzelnen Stücke dann allerdings ineinander über, sind dabei immer schwerer zu unterscheiden. Ist das noch der vorherige oder schon der nächste Titel? Diese Frage lässt sich dann nicht mehr immer einwandfrei beantworten und bringt eine gewisse Überfrachtung der Monotonie mit sich, die zu einem bestimmten, nicht näher definierbaren Zeitpunkt in Langeweile mündet.

Fazit: Die Mischung, die die beiden DJs Boon und Gunjah auf „Neo.Pop 08“ gefunden haben passt schon ziemlich gut. Pop trifft auf Techno, wird vereint und wirkt dabei wahrlich überzeugend. Zwar ist das keine Musik, die man allzu oft alleine Zuhause anhören kann, dazu ist sie sicherlich auch nicht gemacht worden. Aber zum Abtanzen ist das Ergebnis schon sehr gut geeignet, denn es geht ins Ohr und in die Füße. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Thank You, Song For A Sailor, In Japan, Left, Avantgardistisch



Donnerstag, 11. Januar 2018

The Who – Live At Leeds




The Who – Live At Leeds


Besetzung:

Roger Daltrey – vocals, harmonica, tambourine
Pete Townshend – guitars, vocals
John Entwistle – bass guitar, vocals
Keith Moon – drums and percussion, vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock


Trackliste:

1. Heaven And Hell (4:50)
2. I Can’t Explain (2:58)
3. Fortune Teller (2:34)
4. Tattoo (3:42)
5. Young Man Blues (5:51)
6. Substitute (2:07)
7. Happy Jack (2:13)
8. I'm A Boy (4:41)
9. A Quick One, While Hes Away (8:41)
10. Amazing Journey / Sparks (7:54)
11. Summertime Blues (3:22)
12. Shakin’ All Over (4:34)
13. My Generation (15:46)
14. Magic Bus (7:46)

Gesamtspieldauer: 1:17:07




„Live At Leeds“ ist das erste Live-Album der englischen Rock-Band The Who. Gleichzeitig war es auch das einzige Live-Album, welches die Band veröffentlicht hatte, als sie noch in der ursprünglichen Besetzung mit Roger Daltrey, Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon aktiv war. Veröffentlicht wurde die Scheibe in Europa am 23. May 1970 auf dem Plattenlabel Polydor. In den USA gab es das Album bereits eine Woche zuvor. Die Platte wurde immer wieder neu und in verschiedenen Zusammenstellungen und auf verschiedenen Formaten veröffentlicht. Für viele Kritiker gilt „Live At Leeds“ auch heute noch als das beste Live-Album aller Zeiten. Auch diverse Medien wie The Daily Telegraph, The Independent, die BBC, das Q Magazine und das Rolling Stone Magazin lobten die Platte als beste Live-Veröffentlichung aller Zeiten aus.

Erst im Jahr 2001 wurde das komplette Konzert auf CD und Platte veröffentlicht. Die hier vorgestellte Version des Konzerts wurde 1994 veröffentlicht und ist immer noch nicht ganz vollständig. Deutlich vollständiger jedoch als die ursprüngliche Version aus dem Jahr 1970, welche lediglich sechs Titel beinhaltete, drei davon waren die Cover-Versionen „Young Man Blues“, „Summertime Blues“ sowie das Lied „Shakin‘ All Over“. Dazu gesellten sich noch die drei Pete Townshend Titel „Substitute“, „My Generation“ und „Magic Bus“. Zum vollständigen Konzert der 1994er Ausgabe des Albums fehlen übrigens noch die restlichen Titel aus dem Album „Tommy“, die in Leeds mit zu hören waren.

Mag man Rock und mag man die Musik von The Who zu Beginn ihrer Karriere, dann wird man diese Musik auf „Live At Leeds“ auch sehr lieben. Hier wird gerockt bis zum Exzess und man merkt den Musikern den Spaß an, den sie bei diesem Konzert gehabt haben müssen. Die Lieder werden oft nicht unbedingt zu nah am Original gespielt, worauf schon ein Blick auf die Spiellänge von fünfzehn Minuten und 46 Sekunden für ein Lied wie „My Generation“ hinweist. Im Original verstummt der Titel bereits nach drei Minuten und 21 Sekunden. Die vier Musiker spielen sich quasi in einen Rausch, alles rockt und man wird auch heute noch beim Hören der Platte heftig mitgerissen. The Who machen auf „Live At Leeds“ nicht, was so viele andere Bands, Musikerinnen und Musiker auf ihren Live-Alben machen. Diese spielen häufig ihre Lieder nach, meist fast originalgetreu und zu Beginn und am Ende eines solchen Titels hört man dann noch etwas Applaus aus dem Publikum. The Who machen das auf „Live At Leeds“ anders. The Who spielen ihre Lieder auf „Live At Leeds“ in einer Art und Weise, die dieses Live-Album zu einem wirklichen Live-Album werden lässt. Sie interpretieren ihre Lieder, weiten sie aus, machen daraus neue und besondere Titel, die es so noch nicht zu hören gab, ohne dabei die „Seele“ eines Liedes zu zerstören. Das ist große Kunst und man wundert sich nicht, dass diese Scheibe solch ein Ansehen genießt.

Fazit: Mitreißende Live-Musik gibt es auf „Live At Leeds“ zu hören. Hier rockt es, die Soundqualität ist gut, trotz der Aufnahmen aus dem Jahr 1970. The Who rocken auf „Live At Leeds“ so überzeugend, dass jedes der Lieder mitreißend klingt. Dabei interpretieren sie ihre eigenen Titel, machen sie zu etwas Neuem, ohne dabei das ursprüngliche Lied zu zerstören. Schade nur, dass es solch eine Aufnahme nicht auch aus späteren Zeiten in der Karriere von The Who gibt, als noch wunderbare Titel im Song-Katalog der Band hinzugekommen waren. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: A Quick One, While He's Away, My Generation



Mittwoch, 10. Januar 2018

Hugo Race & Michelangelo Russo – John Lee Hooker’s World Today




Hugo Race & Michelangelo Russo – John Lee Hooker’s World Today


Besetzung:

Hugo Race – vocals, beats and instruments
Michelangelo Russo – vocals, beats and instruments


Label: Rough Velvet Records


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Art Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Hobo Blues (9:50)
2. Love Blues (3:06)
3. Serves You Right To Suffer (6:11)
4. Decoration Day (5:46)
5. The World Today (3:49)
6. The Motor City's Burning (6:54)
7. Country Boy (6:03)
8. When My First Wife Left Me (5:58)

Gesamtspieldauer: 47:41



John Lee Hooker hätte im Jahr 2017 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Anlass genug für Hugo Race zusammen mit Michelangelo Russo dem Wegbereiter des Blues und auch musikalischen Vorbild die Aufwartung zu machen. Auf „John Lee Hooker’s World Today“ hört man acht Blues-Nummern des John Lee Hooker, die durch die beiden Musiker Race und Russo in das Jahr 2017 transferiert wurden. So würde sich die Musik des John Lee Hooker heute anhören – zumindest nach Meinung von Hugo Race und Michelangelo Russo.

Blues ist das nicht mehr so wirklich, den man auf dieser Scheibe zu hören bekommt. Blues bildet vielleicht noch den Unterbau der Lieder, das Ergebnis ist allerdings sehr sphärische Musik, angefüllt mit elektronischen Tönen, zwischen Ambient und Avantgarde pendelnd. Keine melodische Musik erklingt auf „John Lee Hooker’s World Today“, jedoch sehr intensive und volle. Dumpf und tieftraurig klingt das alles, was angeblich in einer einzigen Nacht in Boris Wilsdorfs Tonstudio in Berlin aufgenommen wurde. Boris Wilsdorf kennt man als Produzenten der Einstürzenden Neubauten und dieser hat hier ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Denn aus den Titeln des John Lee Hooker wurden keine einfachen Cover-Versionen gezogen, bei Hugo Race und Michelangelo Russo wurden aus den Liedern ganz neue, fast schon eigene Songs der beiden, die am ehesten noch durch die Texte an deren Ursprung erinnern.

Die ursprünglich deutlich kürzeren Titel wurden ausgedehnt, mit Hall- und Echo-Effekten verfremdet und in ein sphärisches Ganzes überführt. Das klingt durchaus eindrucksvoll und interessant, allerdings wirkt das Ganze auch als Ganzes. Soll heißen, dass einzelne Lieder sich kaum mehr unterschieden lassen. Die mit dem ersten Takt des ersten Liedes eingeschlagene düstere und dumpfe Atmosphäre wird bis zum letzten Takt des letzten Liedes konsequent durchgezogen. Die einzelnen Titel verschwimmen, lassen sich nicht mehr voneinander abgrenzen, auch wenn zwischen ihnen etwa zwei Sekunden der Stille herrschen. Einheitlich klingt „John Lee Hooker’s World Today“ dabei ganz sicher, leider jedoch auch ein wenig langweilig auf die Dauer.

Fazit: Eine intensive atmosphärische Reise tritt man an, wenn man „John Lee Hooker’s World Today“ auflegt. Ursprünglich waren das alles Blues Titel des amerikanischen Musikers, die hier von bei Hugo Race und Michelangelo Russo bearbeitet wurden. Blues kann man die Musik kaum mehr nennen, eher Ambient bis Avantgarde. Immer ist die Musik dabei sphärisch, sehr sphärisch. Einzelne Lieder oder gar Höhepunkte, bilden sich dabei nicht heraus. „John Lee Hooker’s World Today“ klingt zwar interessant und zunächst auch spannend, im Laufe der Minuten kann sich das Album jedoch auch ziehen. Leider. Dabei ist die Musik sehr intensiv, zumindest für den Moment des Hörens. Nachwirken kann sie jedoch nicht. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Serves You Right To Suffer



Dienstag, 9. Januar 2018

Kellermensch – Goliath




Kellermensch – Goliath


Besetzung:

Sebastian Wolff – vocals, guitar
Anders Trans – drums
Christian Sinderman – vocals, organ
Jan V. Laursen – guitar
Claudio W. Suez – bass
John V. Laursen – upright bass, guitar


Gastmusiker:

Søren Storm – violins on tracks 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 & 10
Nils Gröndahl – violins on tracks 1, 4, 5 & 9
Inger Juhl Jensen – cello on tracks 1 & 4


Label: Persona Non Grata Records


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Art Rock, Rock


Trackliste:

1. Bad Sign (3:24)
2. The Pain Of Salvation (4:48)
3. Atheist In A Foxhole (4:34)
4. Mediocre Man (4:50)
5. Remainder (4:03)
6. All That I Can Say (2:34)
7. Carrying My Name (2:39)
8. Lost At Sea (4:32)
9. Moth (2:23)
10. How To Get By (3:11)

Gesamtspieldauer: 37:03



Kellermensch ist eine im Jahr 2006 in Esbjerg, Dänemark gegründete Rock Band, deren Musik sich stilistisch in den Genres Art Rock bis hin zum Progressive Rock bewegt. Nachdem 2009 das erste und selbstbetitelte Album „Kellermensch“ erschien, mussten die Fans bis am 27. Januar 2017 warten, bis die zweite vollständige Scheibe mit dem Titel „Goliath“ veröffentlicht wurde. Dazwischen folgten lediglich noch die Veröffentlichung der EP „Narcissus“ sowie eine Single mit bereits bekanntem Material der ersten Platte.

Auf „Goliath“ hört man zumeist harten und in dieser Variante ungewöhnlich eingängigen Rock. Mitreißend klingt das, kraftvoll, intensiv und dabei immer auch melodiös und eingängig. Viele der Stücke gehen dabei gleich beim ersten Mal des Hörens ins Ohr und wirken lange nach. Man bekommt auf „Goliath“ heftige und harte Gitarrenriffs in Kombination mit Streichern in Form von Violinen und einem Cello geboten. Das klingt alles sehr überzeugend und auch die etwas sanfteren Abschnitte der Platte, die es auf „Goliath“ durchaus ebenfalls gibt, schaffen es zu überzeugen. Nun, die sechs Dänen haben es gut gemeint und gemacht, an zwei Stellen der Platte jedoch etwas zu gut gemeint. Natürlich ist Abwechslung immer erwünscht und eine schöne Sache, warum man dazu allerdings gleich „Growling“-Laute mit einbauen musste, das bleibt wohl das Geheimnis der Musiker.

Höhepunkte gibt es einige auf „Goliath“. Da ist gleich der mitreißende Opener „Bad Sign“. Dann die perfekte Synthese aus hartem Gitarren-Rock und Streichern in Form des Liedes „Mediocre Man“. „Remainder“ startet langsam und bedächtig, um dann ebenfalls los zu rocken. Zum Schluss hört man hier leider ein wenig „Gegrowle“ – trotzdem bleibt die Nummer ein tolles Lied. „Lost At Sea“ ist eine der wenigen zumindest etwas langsameren Titel des Albums. Irgendwie verwunschen und sehnsüchtig klingend, mit toller Melodie ausgestattet und sich sofort und auch beständig im Ohr der Hörerin und des Hörers festsetzend. Bliebe an dieser Stelle schließlich noch das letzte Lied der Platte zu erwähnen. „How To Get By“ klingt ebenfalls sehr eingängig und ist gleichzeitig die ruhigste Nummer der Platte, ein würdiger Abschluss des Albums.

Fazit: „Goliath“ von Kellermensch macht Spaß. Guten und meist sogar mitreißenden Rock gibt es hier zu hören, verpackt in tolle Melodien, die ins Ohr gehen. Die Musik benötigt nicht allzu viel Anlaufzeit, um zu überzeugen. Die Harmonien setzen sich schnell fest und verbleiben auch längerfristig im Ohr. So verzeiht man Kellermensch auch die zwei kurzen „Growling-Ausflüge“. Musik kann einem den Tag verschönern. Ein Beispiel dafür wäre „Goliath“ von Kellermensch. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Bad Sign, Mediocre Man, Remainder, Lost At Sea, How To Get By