Samstag, 24. Februar 2018

Crippled Black Phoenix – Bronze




Crippled Black Phoenix – Bronze


Besetzung:

Justin Greaves – guitar, backing vocals, bass (studio), drums (studio)
Daniel Änghede – vocals, guitar
Mark Furnevall – synthesizer, keyboard, organ, backing vocals
Daisy Chapman – piano, keyboard, vocals
Jonas Stälhammar – guitar, backing vocals
Ben Wilsker – drums (live)
Tom Greenway – bass (live)
Belinda Kordic – vocals


Gastmusiker:

Chrissie Caulfield – violin
Arthur Young – piano ("A Future Shock")
Robert Holm – brass
Arvid Jonsson – vocals ("Turn To Stone")


Label: Season Of Mist


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Art Rock, Post Rock, Progressive Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Dead Imperial Bastard (4:59)
2. Deviant Burials (6:45)
3. No Fun (4:53)
4. Rotten Memories (3:10)
5. Champions Of Disturbance (9:02)
6. Goodbye Then (5:22)
7. Turn To Stone (7:04)
8. Scared And Alone (8:58)
9. Winning A Losing Battle (9:14)
10. We Are The Darkeners (10:22)
11. A Future Shock (Bonus Track) (5:51)
12. Denisovans  (Bonus Track) (3:12)

Gesamtspieldauer: 1:18:59



„Bronze“ heißt das bereits sechste Studioalbum der englischen Art Rock Band Crippled Black Phoenix, die manches Mal auch progressivere Tendenzen in ihrer Musk aufweist. „Bronze“ erschien am 4. November des Jahres 2016 auf dem Plattenlabel Season Of Mist. Das Album ist einmal mehr angefüllt mit düsteren bis dunklen Tönen und Atmosphären, rockig arrangiert und dabei keinesfalls als Stimmungsaufheller geeignet.

Die Musik von Crippled Black Phoenix klingt auf „Bronze“ sogar noch mal etwas rockiger, als auf den vorherigen Platten. Sehr gut reiht sich in das Gesamtklangerlebnis auch die einzige Cover-Version des Albums, das Lied „Turn To Stone“ von Joe Walsh ein. Die Nummer ist in der Interpretation von Crippled Black Phoenix nach am Original angelehnt, klingt hier jedoch noch etwas voluminöser und kräftiger. Ganz allgemein ist es diese dunkle Melancholie bis Traurigkeit, gepaart mit schweren Rock-Akkorden und wunderbar eingängigen Melodien, die die Musik von Crippled Black Phoenix auch auf „Bronze“ sehr überzeugend werden und klingen lässt.

Jede Menge Höhepunkte gibt es auf dieser Scheibe, die keinerlei Ausfälle aufweist. Besonders gelungen sind dabei die längeren Titel, die überaus abwechslungsreich aufgebaut sind und nachhallen. „Champions Of Disturbance“, „Turn To Stone“, „Scared And Alone“ oder „Winning A Losing Battle“ sind alles klasse Titel, die einen mitreißen und die Musik der Engländer um Justin Greaves auf das Allerbeste repräsentieren. Hart und melodisch, aus verschiedenen Teilen und Passagen aufgebaut und gleich beim ersten Mal des Hörens absolut überzeugend. Die letzte Nummer, „We Are The Darkeners“ ist dabei übrigens kein richtiger Longtrack, da die letzten knapp drei Minuten der Spielzeit lediglich aus Stille bestehen. Es folgen noch zwei kürzere Lieder, die der Digi-Pack-Ausgabe des Albums hinzugefügt wurden und sich nahtlos der Qualität der „offiziellen“ Stücke angleichen.

Fazit: Einprägsamen, dunklen und zum Teil auch harten Rock zelebrieren Crippled Black Phoenix auch auf ihrem sechsten Studioalbum mit dem Namen „Bronze“. Nie ist diese Musk langweilig, sehr viel eher hört sich das alles sehr abwechslungsreich und sehr oft auch mitreißend an. Wer die anderen Scheiben der Band mag und zu schätzen weiß, die oder der wird auch mit „Bronze“ viel Unterhaltung erhalten. Elf Punkte.

Anspieltipps: Champions Of Disturbance, Turn To Stone, Scared And Alone, Winning A Losing Battle



Freitag, 23. Februar 2018

Patricia Kaas – Je Te Dis Vous




Patricia Kaas – Je Te Dis Vous


Besetzung:

Patricia Kaas – vocals, background vocals


Gastmusiker:

Jess Bailey – piano, organ, synth, programmations
Mark Smith – bass
Jeremy Stacey – drum kit
Paul Stacey – electric and acoustic guitar
Martin Ditcham – percussion
Martin Green – saxophone
Steve Sidwell – trumpet
Mall Coleman – trombone
Bobby Valentino – violin
Gavyn Wright – alto violin
Roger Smith – cello
Paul Kegg – cello
Carole Rowley – background vocals
Mick Feat – background vocals
Guida de Palma – background vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Pop


Trackliste:

1. Y'avait Tant D'Étoiles (1:54)
2. Hôtel Normandy (5:34)
3. Je Retiens Mon Souffle (4:37)
4. Ceux Qui N'Ont Rien (5:16)
5. Il Me Dit Que Je Suis Belle (5:21)
6. Space In My Heart (4:52)
7. La Liberté (4:05)
8. Fatiguée D'Attendre (4:32)
9. Jojo (3:21)
10. Je Te Dis Vous (3:43)
11. Reste Sur Moi (4:35)
12. Ganz Und Gar (4:47)
13. Out Of The Rain (4:34)
14. It's A Man's World (5:46)
15. Entrer Dans La Lumière (4:05)

Gesamtspieldauer: 1:07:10




„Je Te Dis Vous“ heißt das dritte Studioalbum der französischen Sängerin Patricia Kaas. Es erschien am 6. April 1993 auf dem Plattenlabel Columbia Records und wurde in Pete Townshends Eel Pie Studios in London von Robin Millar produziert, der bereits für Sade und die Fine Young Cannibals gearbeitet hatte. „Je Te Dis Vous“ stellt den bisher größten Erfolg der Französin dar und konnte sich sogar kurz in den deutschen Charts platzieren. Hauptsächlich verkaufte sich die Scheibe aber freilich in Frankreich.

Alles was aus Frankreich an Musik zu uns kommt, insbesondere wenn es sich dabei um eine Sängerin handelt, firmiert unter der Überschrift „Chanson“. Beim Anhören der Scheibe wird allerdings schnell klar, dass es sich bei der Musik von Patricia Kaas auf „Je Te Dis Vous“ keineswegs um Chansons handelt. Was man hier zu hören bekommt ist, Pop, den die Französin von anderen Künstlern covert oder der speziell für sie geschrieben wurde. Auf „Je Te Dis Vous“ befindet sich sogar ein Marius Müller-Westernhagen Cover mit dem Lied „Ganz Und Gar“. Es ist das erste Lied, welches die Französin in deutscher Sprache einsang. Ebenfalls bekannt ist die James Brown Nummer „It's A Man's World“, die hier in einer interessanten und gelungenen Interpretation zu hören ist.

Drei Lieder in Englisch, eines auf Deutsch, der Rest in französischer Sprache. Paricia Kaas wollte international klingen. Da sich diese Platte auch in den Ländern außerhalb Frankreichs verkaufte, ist das Vorhaben aufgegangen. Die Musik allerdings ist allerhöchstens mittelmäßiger Pop und zu allermeist klingt das Ganze furchtbar seicht, langweilig und belanglos. Höhepunkte auf dieser eher höhepunktarmen Platte sind die Titel „Jojo“, das Titellied „Je Te Dis Vous“, „Ganz Und Gar“ sowie „It's A Man's World“. Allerdings darf man sich auch von diesen Stücken nicht zu viel versprechen.

Fazit: Ein poppiges und sehr langweiliges Album ist „Je Te Dis Vous“ der französischen Sängerin Patricia Kaas geworden. Das Interessanteste auf der Platte ist fast schon, dass sie auch die englischsprachigen und deutschen Lieder fast ohne Akzent einsingt. Ansonsten läuft die Scheibe durch, nichts bleibt hängen. Pop können andere definitiv besser. Langweilig eben. Drei Punkte.

Anspieltipps: Jojo, Je Te Dis Vous, Ganz Und Gar, It's A Man's World



Donnerstag, 22. Februar 2018

Gift – Blue Apple




Gift – Blue Apple


Besetzung:

Dieter Atterer – lead guitar, lead vocals
Rainer Baur – lead guitar
Dieter Frei – organ, e-piano, synthesizer-moog, mellotron, vocals
Hermann „Mandy“ Lange – drums, percussion
Uwe Patzke – bass-guitar, vocals


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Blue Apple (4:15)
2. Rock Scene (3:47)
3. Don't Waste Your Time (4:02)
4. Psalm (3:55)
5. Everything's Alright (4:30)
6. Got To Find A Way (6:39)
7. Reflections [Part 1] (3:14)
8. Reflections [Part 2] (3:47)
9. Left The Past Behind (6:01)

Gesamtspieldauer: 40:16




Die Augsburger Band Gift war lediglich in der ersten Hälfte der 70er Jahre aktiv. Ein sehr kurzer Comeback-Versuch der Bandmitglieder Rainer Baur und Uwe Patzke im Jahr 2013 scheiterte schnell. Doch wurden in den Jahren 1972 und 1974 zwei Studioalben eingespielt. „Blue Apple“ ist die zweite und letzte Scheibe der Band und wurde von Warner Musik auf CD wiederveröffentlicht.

Auf „Blue Apple“ hört man Krautrock, nicht allzu komplex oder tiefgründig, jedoch rockend und handwerklich gut gemacht. Die Musik der inzwischen zum Quintett angewachsenen Band nähert sich mit ihrem Rock immer wieder dem Genre des Hard Rock an und klingt dann am Überzeugendsten, wenn sie mit einem fetten Orgelsound untermalt wird. Ansonsten geht die Scheibe nicht groß ins Ohr, rockt allerdings wirklich gut. Trotzdem war die Musik von Gift Anfang bis Mitte der 70er Jahre sicherlich nichts Besonderes oder Außergewöhnliches und ist es heute ebenfalls nicht.

Wer jedoch auf ziemlich geradlinigen und konsequenten Rock steht, die oder der dürfte auf „Blue Apple“ etwas für sich entdecken können. Die Lieder sind zumeist kompakt und kurz gehalten, musikalische Themen werden nicht großartig ausgewalzt. Lediglich „Got To Find A Way“ sowie der letzte Titel „Left The Past Behind“ erreichen die 6-Minuten-Marke. Erstgenannter Titel ist aus verschiedenen Teilen aufgebaut, unterscheidet sich damit abwechslungsreich vom Rest der Platte und „Left The Past Behind“ enthält ein sehr gelungenes Orgel-Solo.

Fazit: Etwas für Rock-Freunde ist „Blue Apple“ von Gift ganz gewiss. Die Scheibe rockt und klingt immer dann sehr überzeugend, wenn die Orgel im Sound der 70er Jahre zu hören ist. Ansonsten hört man auf „Blue Apple“ Rock Musik, ganz nett gemacht, wenig spektakulär. Die Band konnte sich zur damaligen Zeit nicht durchsetzen, dazu fehlt der Musik auch einfach das gewisse Etwas. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Got To Find A Way, Left The Past Behind



Mittwoch, 21. Februar 2018

Parzival – BaRock




Parzival – BaRock


Besetzung:

Lothar Siems – guitar, vocals
Walter Quintus – violin, piano, organ
Thomas Olivier – drums, vocals
Walter von Seydlitz – cello
Matthias Müller-Menckens – flute, piano, organ
Harald Konietzko – bass, vocals


Label: Telefunken


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

Bonus Track der remasterten Veröffentlichung:

1. Souls Married To The Wind (Single 1972) (3:37)


Offizielles Album:

2. Stories (1:55)
3. Black Train (8:34)
4. Mrs. Virgin (4:28)
5. Frank Supper (2:22)
6. Scarlet Horses (6:26)
7. It's A Pity (2:59)
8. Thought (5:58)
9. Paradise (8:26)


Bonus Tracks der remasterten Veröffentlichung:

10. Party Bird (Rough Demo, Decca Studios London, 1970) (2:10)
11. Veronique (Rough Demo, Lilienthal, 1970) (2:42)

Gesamtspieldauer: 50:16




Die deutsche Band Parzival veröffentlichte insgesamt zwei Studioalben, bevor sie sich in der ersten Hälfte der 70er Jahre bereits wieder auflöste. Die zweite Platte mit dem Titel „BaRock“ erschien im Jahr 1973 ursprünglich auf dem Plattenlabel Telefunken, wurde in den 2000ern von Warner Music schließlich, in einer remasterten Form und mit Bonus-Tracks versehen, wiederveröffentlicht. Interessant dabei ist, dass der erste Bonus-Titel sogleich auch das Album eröffnet. Gibt es auch nicht allzu häufig.

Geht man nach dem Cover-Photo, so könnte man auf „BaRock“ mittelalterlich angehauchte Musik erwarten, diese hört man auf der Scheibe allerdings nicht. Auf dem Album gibt es symphonischen Rock zu hören, der immer wieder Ausflüge in das Prog-Genre unternimmt. Alles auf „BaRock“ klingt eingängig und melodiös. Nichts hört sich auf der Scheibe vertrackt an, muss man sich länger erarbeiten. Die zumeist sanften, manchmal leider auch süßlichen Melodien, umschmeicheln das Ohr mit jedem Akkord. Das mag sicherlich mancher Hörerin und manchem Hörer zu unaufgeregt klingen, ins Ohr gehen die Melodien allerdings trotzdem, was bereits nach dem ersten Durchlauf einen gewissen Wiedererkennungswert bewirkt.

Was Parzifal wirklich gelungen ist auf „BaRock“, das ist dieses Zusammenspiel von Flöte, Violine und Cello. Eine ausgelassenes Gitarren-Solo wie beim Titel „Scarlet Horses“, welcher als einer der wenigen auch rockt und in manchen Passagen zudem Assoziationen zu Country und Western aufkommen lässt, gibt es sehr viel weniger. Öfters klingen die Lieder eher sanft, manchmal fast schon besinnlich. Ein wenig von dieser Herangehensweise weicht nur die letzte Nummer, „Paradise“, ab. Hier erscheinen die Musiker von Parzifal nun deutlich experimentierfreudiger, lassen nun auch den ein oder anderen nicht ganz so harmonischen Akkord zu. Ein klein wenig wirkt das so, als ob sie hier, zum Abschluss, ihren Zuhörern nochmal zeigen wollten, dass sie auch anders könnten, wenn sie denn wollen würden. Höhepunkte sind für mich das abwechslungsreiche und ein wenig rockige „Black Train“, die kurze Instrumentalnummer „Frank Supper“ sowie vor allem das Lied „Thought“. Sehr abwechslungsreich, sanft und dann wieder mitreißend. Auf knapp sechs Minuten werden hier viele musikalische Eindrücke hinterlassen, die fast schon eine kleine Zusammenfassung von „BaRock“ darstellen.

Fazit: „BaRock“ ist etwas für Freundinnen und Freunde des melodischen, immer eingängigen Progs der 70er Jahre. Die Musik der Band klingt fast durchweg melodiös und harmonisch. Viele Flöten- und Streicherklänge umwehen einen beim Hören, der Gitarre kommt eine eher untergeordnete Rolle zu. „BaRock“ lässt sich gut anhören, klingt unaufgeregt und wie gesagt – eingängig. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Black Train, Frank Supper, Thought



Dienstag, 20. Februar 2018

Tocotronic – Kapitulation




Tocotronic – Kapitulation


Besetzung:

Dirk von Lowtzow – Gesang, Gitarre
Rick McPhail – Gitarre, Keyboard
Jan Müller – Bass Gitarre
Arne Zank – Schlagzeug, Keyboards, Gesang


Gastmusiker:

Ben Lauber – Tasten und Glocken
Silva Davulcu – Chor
Michaela Meise – Chor
Virginia Rösinger – Chor
Barbara Wagner – Chor
Julia Wilton – Chor


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Mein Ruin (5:45)
2. Kapitulation (4:14)
3. Aus Meiner Festung (5:18)
4. Verschwör Dich Gegen Dich (4:10)
5. Wir Sind Viele (6:54)
6. Harmonie Ist Eine Strategie (4:34)
7. Imitationen (4:16)
8. Wehrlos (3:48)
9. Dein Geheimer Name (4:00)
10. Sag Alles Ab (2:01)
11. Luft (5:13)
12. Explosion (3:46)

Gesamtspieldauer: 54:05



„Kapitulation“ heißt das achte Studio-Album der deutschen Indie-Rock-Band Tocotronic. Das Album wurde am 6. Juli 2007 auf dem Plattenlabel Vertigo Records veröffentlicht. Insgesamt wurden mit den Titeln „Sag Alles Ab“, dem Titellied „Kapitulation“, „Imitationen“ und „Mein Ruin“ vom Mai bis Dezember desselben Jahres vier Singles aus dem Album ausgekoppelt. Die Platte kletterte bis auf Platz 3 der deutschen Album Charts und hielt sich insgesamt zehn Wochen in diesen.

Auf „Kapitulation“ hört man eingängigen und deutschsprachigen Independent Rock, der ziemlich schnell ins Ohr geht. Dazu singt Dirk von Lowtzow Texte, die glücklicherweise nicht hauptsächlich das Thema „Liebe“ zum Inhalt haben, sondern auch andere Themen beleuchten, durchaus auch zum Nachdenken anregen und Spielraum für Interpretationen lassen. Die Musik bewegt sich insgesamt zwischen zart und hart. Rockigeren Liedern folgen deutlich sanftere Nummern und umgekehrt. Dies trägt unter anderem mit zum Abwechslungsreichtum auf dem Album bei. Dieser wird auch durch die Atmosphären bewirkt, die durch die Musik von Tocotronic transportiert werden. Die einzelnen Lieder klingen mal fröhlich und positiv, dann aber auch wieder deutlich trauriger und mit einer gehörigen Portion Nachdenklichkeit bis hin zur Melancholie ausgestattet. Doch ganz egal, ob in Dur oder Moll gehalten, die Musik geht ins Ohr.

Schlechte Titel gibt es auf „Kapitulation“ glücklicherweise nicht zu verzeichnen. Lediglich das sehr kurze „Sag Alles Ab“ will nicht so recht zünden und dies, obwohl es die erste Single-Auskopplung darstellt. Der Rest der Scheibe wirkt und klingt da deutlich gelungener. Höhepunkte sind das sehr eingängige Titellied „Kapitulation“, welches einmal gehört fast schon die Eigenschaften eines Ohrwurms entwickelt. Ebenfalls sehr überzeugend klingt das Lied „Harmonie Ist Eine Strategie“. Sehr intensiv wird die Musik von Tocotronic jetzt. „Explosion“ steigert sich schließlich mitreißend, bis das Lied wirklich zu explodieren scheint. Musik die bewegt und packt. Auch die restlichen Titel überzeugen, womit die Höhepunkte auf „Kapitulation“ wie immer und einmal mehr reine Geschmackssache sind.

Fazit: Ein eingängiges und gleichzeitig spannendes Album haben Tocotronic mit der Platte „Kapitulation“ veröffentlicht. Die Lieder sind sehr melodiös, mal rockiger, mal etwas sanfter gehalten. Bei den Texten handelt es sich nicht um 08/15-Liebesschwüre und auch sie lohnen mitgehört und beachtet zu werden. Independent Rock aus Deutschland kann durchaus überzeugend sein und man darf sich freuen, dass es auch hier anspruchsvolle und gute Musik mit deutschen Texten gibt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Kapitulation, Harmonie Ist Eine Strategie, Explosion



Montag, 19. Februar 2018

Take That – Never Forget - The Ultimate Collection




Take That – Never Forget - The Ultimate Collection


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Pop, Dance


Trackliste:

1. Never Forget (6:24)
2. Back For Good (4:03)
3. How Deep Is Your Love (3:42)
4. Pray (3:45)
5. Relight My Fire (4:10)
6. Everything Changes (3:35)
7. Babe (4:51)
8. Sure (3:41)
9. It Only Takes A Minute (3:48)
10. A Million Love Songs (3:54)
11. Could It Be Magic (3:31)
12. Why Can't I Wake Up With You (3:39)
13. Love Ain't Here Anymore (4:09)
14. I Found Heaven (4:03)
15. Promises (3:36)
16. Once You've Tasted Love (3:44)
17. Pray (Live in Berlin) (5:16)
18. Relight My Fire (Element Remix) (3:49)
19. Today I've Lost You (3:07)

Gesamtspieldauer: 1:17:05




Wenn man viel Musik hört, kommt man immer wieder auch mit Bands, Sängerinnen, Sängern und musikalischen Genres in Berührung, mit denen man auf Anhieb erst mal nicht so viel anfangen kann, die einfach nicht in das eigene musikalische Beuteschema passen. Und trotzdem hält man irgendwann solch ein Album in Händen, hört rein, denn man sollte allem eine Chance geben und nichts nur aus Prinzip verteufeln. Genau dies trifft bei mir auf Take That und ihr „Never Forget - The Ultimate Collection“-Album zu. Die Platte ist das zweite „Greatest Hits Album“ der fünf Engländer und wurde am 14. November 2005 auf dem Plattenlabel Sony Music veröffentlicht – etwa zehn Jahre nach der ersten Auflösung. Das Album enthält 16 der 18 Singles von Take That bis zu diesem Zeitpunkt.

Drei Dinge wusste ich ehrlich gesagt gar nicht von Take That. Zum einen ist das der Umstand, dass fast alle Lieder von Gary Barlow persönlich geschrieben wurden. Ignorant wie ich bin, bin ich immer davon ausgegangen, dass hinter solch einer Boy Band jeweils auch diverse Songschreiber stehen, die die Sänger dann mit Hits versorgen. Des Weiteren wusste ich nicht, dass die Karriere von Take That, bis zu ihrer ersten Trennung, welche insgesamt zehn Jahre dauerte, nur etwas mehr als fünf Jahre zusammen sangen. 1990 gegründet, verließ Robbie Williams im Sommer 1995 die Band, im Februar 1996 wurde Take That dann vollständig aufgelöst. Die dritte Überraschung für mich war – und alle Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren mögen mir verzeihen – wie absolut unfassbar mies und schlecht diese Musik ist.

Neunzehn Lieder gibt es auf der Platte, eines schlechter als das andere. Das Ganze nennt sich ein „Best Of…“-Album. Man möchte es nicht glauben und es graut einem beim Gedanken an die Lieder, die nicht „Best Of...“ sind. Vergessen wir die Texte, die sind unsäglich miserabel und bestens zum Fremdschämen geeignet. Doch auch die Musik, dieser Rhythmusmaschinen-Schleim-Pop, der es nicht schafft auch nur ein wenig ins Ohr zu gehen, ist am besten mit dem Adjektiv „grauenvoll“ zu umscheiben. Ganz, ganz schlimm. Dazu dieses süßlich grausige Geseier und Gesäusel der fünf Sänger und man muss automatisch hektisch den Blick wandern lassen, wo hier die nächste Tür ist. Nur raus, weg von diesem Ort, weg von dieser Musik des absoluten Grauens. Achtzehn ganz süßlich dampfende und schlechte Lieder. Lediglich eines geht der Ehrlichkeit etwas ins Ohr und dies ist „Back For Good“. Das andere, welches ich glaube schon mal gehört zu haben, ist die Nummer „Babe“, die allerdings über einen solch schleimigen Hintergrundgesang verfügt, dass einem die Gänsehaut über die Arme rast.

Fazit: Ich habe keine Ahnung von Musik und all das hier Geschriebene ist absolut und vollkommen subjektiv. Und dieses subjektive Empfinden lässt mich diese Musik als absolut grauenhaft empfinden. Es gibt so viel gute Musik auf der Welt, diese hier ist vollkommene Zweitverschwendung und ich bereue es jetzt schon, dass ich mir das Ganze insgesamt viermal reingezogen habe. Ich bin kein Masochist, aber ich konnte es nach dem ersten Mal wirklich nicht glauben, dass solch erfolgreiche Musik, sieht man die Verkaufszahlen, so schlecht sein kann. Ich wollte hinter das Geheimnis kommen, fand es aber nicht. Außer „Back For Good“, schmalzig aber melodiös, ist es nur schlimm. Sorry. Ein Punkt.

Anspieltipps: Back For Good



Sonntag, 18. Februar 2018

The Flower Kings – Back In The World Of Adventures




The Flower Kings – Back In The World Of Adventures


Besetzung:

Michael Stolt – bass guitar
Roine Stolt – guitars, vocals, keyboards
Tomas Bodin – hammond organ, piano, mellotron, synthesizers, flute
Hasse Bruniusson – percussion & drumkit
Jaime Salazar – drumkit


Gastmusiker:

Ulf Wallander – soprano saxophone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Progressive Rock, RetroProg


Trackliste:

1. World Of Adventures (13:37)
2. Atomic Prince / Kaleidoscope (7:49)
3. Go West Judas (7:47)
4. Train To Nowhere (3:49)
5. Oblivion Road (3:47)
6. Theme For A Hero (8:32)
7. Temple Of The Snakes (1:23)
8. My Cosmic Lover (6:46)
9. The Wonder Wheel (4:17)
10. Big Puzzle (13:34)

Gesamtspieldauer: 1:11:27



„Back In The World Of Adventures“ heißt das erste Studio-Album der schwedischen Progressive Rock Band The Flower Kings und erschien im September des Jahres 1995. Doch so ganz stimmt das irgendwie nicht, denn Roine Stolt hatte bereits im Jahr zuvor eine Platte mit dem Titel „The Flower King“ veröffentlicht, damals jedoch noch unter seinem Namen. Der Erfolg dieser Scheibe bewog ihn, gleich seine Band danach zu benennen und fortan unter der Überschrift „The Flower Kings“ zu veröffentlichen. „Back In The World Of Adventures“ erschien auf dem Plattenlabel InsideOut Music und wurde von Fans wie von Kritikern sehr positiv aufgenommen.

Auf „Back In The World Of Adventures“ hört man verspielten und fast schon fröhlichen RetroProg, der praktisch zu jeder Zeit und an jeder Stelle des Albums sehr eingängig klingt, sich niemals zu kompliziert gebiert und dabei doch sehr abwechslungsreich aus den Boxen strömt. Zudem benötigt man noch nicht einmal viele Durchgänge, um dieses Album für sich zu erschließen. Soll heißen, auf „Back In The World Of Adventures“ klingen viele Titel deutlich weniger kopflastig, wie manch andere Nummer auf anderen Platten der Flower Kings. Vor allen Dingen die erste Hälfte des Albums zündet ziemlich schnell, geht sofort ins Ohr.

Zu Beginn der Platte befinden sich die meisten Höhepunkte auf „Back In The World Of Adventures“. Hier hört man die Lieder „Atomic Prince / Kaleidoscope“, „Go West Judas“ sowie „Train To Nowhere“. Alles drei sehr melodische Nummern, im Progressive Rock verwurzelt, sehr abwechslungsreich in ihrer Gesamtheit, spannend und eingängig klingend. Das kann man auch noch für das letzte Lied der Platte „Big Puzzle“ sagen. RetroProg in seiner sehr gelungenen Ausprägung. Lediglich das Stück „My Cosmic Lover“ hat nicht nur einen schwachsinnigen Namen, sondern fällt auch musikalisch gesehen ziemlich ab und klingt vor allem im Refrain stark nach langweiligem Mainstream Rock.

Fazit: Insgesamt ist „Back In The World Of Adventures“ ein überzeugendes RetroProg-Album geworden. Die Musik ist melodiös und abwechslungsreich, die einzelnen Titel muss man sich auch nicht großartig „erarbeiten“, um diese richtig genießen zu können. Zu frickelig oder kompliziert klingt nichts auf „Back In The World Of Adventures“, sehr viel eher ist die Musik eingängig. Da auch fast alle Lieder von überzeugender Qualität, sowohl musikalisch wie textlich sind, lohnt „Back In The World Of Adventures“ für Freundinnen und Freunde des Progressive Rock. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Atomic Prince / Kaleidoscope, Go West Judas, Train To Nowhere, Big Puzzle



Samstag, 17. Februar 2018

Kraan – Andy Nogger




Kraan – Andy Nogger


Besetzung:

Peter Wolbrandt – guitar, vocals
Jan Fride – drums, percussion
Helmut Hattler – bass
Johannes Pappert – alto saxophone


Label: Intercord / EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Jazzrock / Fusion, Krautrock


Trackliste:

1. Stars (5:26)
2. Andy Nogger (3:48)
3. Nam Nam (5:50)
4. Son Of The Sun (5:03)
5. Holiday am Marterhorn (7:42)
6. Home (5:44)
7. Yellow Bamboo (4:25)

Gesamtspieldauer: 38:02



Kraan ist eine deutsche Jazzrock-Band, die von 1970 bis 1990 und dann wieder ab dem Jahr 2000 aktiv war und ist. Gerade in den 70er Jahren veröffentlichte die Band regelmäßig Alben und galt damals mit als genreprägend. „Andy Nogger“ ist ihre dritte Veröffentlichung. Die Platte erschien im Jahr 1974 zunächst auf Intercord, wurde später auf dem Plattenlabel EMI wiederveröffentlicht.

Auf „Andy Nogger“ hört man sehr rhythmusbetonten Jazz Rock, der dabei auch immer wieder gut ins Ohr geht. Besonders hervorzuheben ist dabei das Saxophon-Spiel des Johannes Pappert, welches auf „Andy Nogger“ den Part der Keyboards übernimmt. Das klingt äußerst spannend und gibt es in dieser Art und Weise auch nicht allzu häufig zu hören. Die einzelnen Titel grooven und machen Spaß, der Fuß muss hier automatisch immer wieder mal mitwippen. Die Titel auf dem Album gehen dabei sogar durchaus auch ins Ohr. Zu frickelig, wie Jazz Rock auch mitunter sein kann, ist auf „Andy Nogger“ nichts. Das Genre Rock scheint immer wieder durch, in die einzelnen Lieder hinein – zumindest auf diesem Album. Dabei muss an dieser Stelle auch unbedingt erwähnt werden, dass die Musik von Kraan einiger Durchläufe bedarf, um wirklich anzukommen. Manches erschließt dich der Hörerin beziehungsweise dem Hörer erst nach dem vierten oder fünften Mal des Hörens – dann allerdings umso lohnender.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings doch auf „Andy Nogger“. Dies ist der Gesang, der einfach nicht zur Musik passen möchte und auch stimmlich absolut nicht überzeugt. Somit sind die Instrumentalpassagen auf dem Album deutlich besser gelungen, als jene, die mit Gesang verbunden sind. Höhepunkte auf „Andy Nogger“ sind das längste Lied der Scheibe, „Holiday am Marterhorn“ und die letzte Nummer des Albums „Yellow Bamboo“. Erstgenanntes Stück ist ein jazzig-rockiger Instrumentaltitel, welcher groovt, aus mehreren Teilen aufgebaut ist und dabei auch melodiös ins Ohr geht. Hier glaubt man die Spielfreude der Musiker von Kraan wunderschön heraushören zu können. „Yellow Bamboo“ hat einen leichten orientalischen Einschlag. Bei diesem Lied scheinen die Musiker fast zu jammen und wenn der Gesang gerade aussetzt, klingt das Lied durch die Saxophon-Linie nochmal überzeugender.

Fazit: Eine schöne Jazz Rock Platte ist Kraan mit dem Album „Andy Nogger“ gelungen. Jazz und Rock verschmelzen hier und die Eigenarten beider musikalischer Genres kommen in Kombination gut zum Tragen. An keiner Stelle der Platte klingt es zu kompliziert, in vielen Passagen hört sich die Musik von Kraan sogar eingängig an. Dazu ein netter Groove und fertig ist die überzeugende Jazz Rock Platte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Holiday am Marterhorn, Yellow Bamboo



Freitag, 16. Februar 2018

PJ Harvey – Let England Shake




PJ Harvey – Let England Shake


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitar (2, 3, 5, 7, 8, 11, 12), autoharp (1, 4, 5, 12), saxophone (1, 2, 4, 5, 8), zither (6), violin (7)


Gastmusiker:

John Parish – guitar (2–4, 6, 9, 10, 12), drums (1, 2, 5, 7–9, 12), percussion (3, 4, 6, 11), trombone (1, 2, 4, 5, 8), rhodes (1, 8, 11), mellotron (1, 7, 12), xylophone (1), backing vocals (2–6, 8, 9, 11, 12)
Mick Harvey – vocals (12), guitar (8, 9, 11), bass (4), drums (2, 4, 11), percussion (4, 6, 11), bass harmonica (1, 4, 5, 8, 9), piano (1, 6, 10), organ (2, 5, 7, 8), rhodes (3, 6), xylophone (9), backing vocals (2–6, 8–12)
Jean-Marc Butty – drums (3, 6, 8, 10, 12), backing vocals (3, 5, 6, 8)
Sammy Hurden – backing vocals (8, 12)
Greta Berlin – backing vocals (8, 12)
Lucy Roberts – backing vocals (8, 12)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Let England Shake (3:09)
2. The Last Living Rose (2:21)
3. The Glorious Land (3:34)
4. The Words That Maketh Murder (3:45)
5. All And Everyone (5:39)
6. On Battleship Hill (4:07)
7. England (3:11)
8. In The Dark Places (2:59)
9. Bitter Branches (2:29)
10. Hanging In The Wire (2:42)
11. Written On The Forehead (3:39)
12. The Colour Of The Earth (2:33)

Gesamtspieldauer: 40:15




„Let England Shake“ nannte die englische Musikerin Polly Jean Harvey ihr zehntes Studioalbum. Wie alle ihre Platten seit dem zweiten Album „Rid of Me“, so erschien auch „Let England Shake“ auf dem Plattenlabel Island Records. Direkt nach der Veröffentlichung ihres neunten Albums „White Chalk“ begann PJ Harvey erste Texte und Musik zu „Let England Shake“ zu schreiben, welches schließlich am 14. Februar im Jahr 2011 veröffentlicht wurde. Die Aufnahmen zum Album fanden in einer Kirche nahe Dorset im April und Mai 2010 statt.

War das Album „White Chalk“ noch sehr Piano-lastig, so vollzog die Musikerin auf „Let England Shake“ eine Abkehr von dieser Art der Musik. Auf ihrem neuen Album pendelt PJ Harvey musikalisch zwischen den Genres Rock und Folk hin und her. Das lässt sich alles gut hören, geht ins Ohr und die Musik ist dabei überaus abwechslungsreich, sodass Langeweile keineswegs aufkommen mag. Der Platte wurden zahleiche Auszeichnungen von Seiten der Kritiker zugesprochen und nach dem bereits erwähnten „Rig Of Me“ aus dem Jahr 1993, ist es PJ Harveys zweites Album, welches bis in die englischen Top Ten klettern konnte. Man hört auf „Let England Shake“ keinen Einheits-Rock, sondern immer wieder auch fast schon experimentell anmutende Klänge. Viele der Lieder schaffen es sich festzusetzen, mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe umso mehr.

Auch wenn sich „Let England Shake“ wahrlich lohnt gehört zu werden, so besitzt es allerdings nicht den Zauber in der Musik, den noch „White Chalk“ verströmte. Die Musik unterscheidet sich natürlich auch stark. Trotzdem gibt es viele schöne Momente auf dieser Scheibe zu entdecken. Da ist zum einen das Titellied „Let England Shake“ selbst, eine Nummer, die schnell ins Ohr geht, frisch und niemals alltäglich klingt. „The Words That Maketh Murder“ klingt so schön schräg und erinnert entfernt an die Isländerin Björk. „All And Everyone“ ist ein sehr sanfter, melodiöser und sich entwickelnder Titel. Gefolgt wird das Lied durch „On Battleship Hill“ – für mich der Höhepunkt auf „Let England Shake“. Hier klingt Polly Jean Harvey so wunderschön anders, als alle ihre Musiker-Kolleginnen und -Kollegen. Sanft, verträumt, verspielt und unverwechselbar.

Fazit: Auch das zehnte Studioalbum der englischen Musikerin Polly Jean Harvey mit dem Titel „Let England Shake“ ist eine Platte geworden, die sich lohnt gehört zu werden. Eine schöne und meist melodische Mischung aus Rock und Folk gibt es auf diesem Album zu hören. Eine Mischung, die von PJ Harvey eingespielt schon sehr speziell klingt. Die Lieder gehen ins Ohr und wirken nach. Nichts klingt dabei gleich, nur wenig vergleichbar. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Let England Shake, The Words That Maketh Murder, All And Everyone, On Battleship Hill



Donnerstag, 15. Februar 2018

Motherhood – Doldinger’s Motherhood




Motherhood – Doldinger’s Motherhood


Besetzung:

Klaus Doldinger – tenor-, alto-, soprano-sax, clarinet, piano, organ, voice
Paul Vincent – guitar
Lothar Meid – bass guitar
Udo Lindenberg – drums, voice
Keith Forsey – drums, voice


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock, Krautrock, Jazz Fusion


Trackliste:

1. Devil Don't Get Me (8:26)
2. Song Of Dying (7:00)
3. Circus Polka (1:11)
4. Men's Quarrel (3:54)
5. Turning Around (2:53)
6. Degeneration (6:50)
7. Yesterday's Song (4:34)

Gesamtspieldauer: 34:51




Der Jazz-Saxophonist und -Klarinettist Klaus Doldinger hat mit seiner Band Passport inzwischen fast 40 Alben veröffentlicht. Mit Passport begann er im Jahr 1971 und seine Musik ist und war der Jazz. Davor hieß seine Band allerdings Motherhood, veröffentlichte 1969 und 1970 zwei Alben und war stilistisch noch nicht ganz einheitlich im Fusion Jazz angekommen, beinhaltete damals auch durchaus noch deutlichere Elemente des Progressive Rocks. Das selbstbetitelte Album „Doldinger’s Motherhood“ ist dabei die zweite Veröffentlichung dieses Pärchens. Am Schlagzeug hört man Udo Lindenberg, der bei einigen Titeln auch den Gesang übernahm. Seine Stimme klingt hier allerdings noch nicht so nölend, wie auf seinen späteren Solo-Alben, wodurch man ihn wohl dann gut erkennt, wenn man weiß, wer da zum Teil singt.

Die Musik auf „Doldinger’s Motherhood“ ist zwar größtenteils jazzig angehaucht, jedoch besteht dieser Ansatz keineswegs durchgängig. Mal klingen die Lieder ein wenig mehr nach Psychedelic Rock, dann hört man eher Krautrock-Passagen und schließlich doch auch wieder jazzigere Abschnitte. Auf „Motherhood“ erklingen neben Saxophon- und Klarinetten-Soli auch selbige von der Gitarre oder der Orgel. Dies alles in Kombination lässt die Musik des Albums sehr abwechslungsreich werden und sorgt für eine ganze Menge an positiven Überraschungen. Auch das Spiel mit den Atmosphären, die mal sanfter, mal treibender die Luft erfüllen, klingt hier sehr überzeugend, stimmig und gelungen.

Bei aller Abwechslung steht das zugrundeliegende rockige Element doch meistens im Zentrum der Titel und wird auch nicht ganz verlassen, wenn sich in den Liedern Jam-artige und freiere Solopfade eröffnen. Die beiden längeren Stücke am Beginn der Scheibe, „Devil Don't Get Me“ sowie „Song Of Dying“, stehen dabei fast schon beispielgebend für den Gesamtcharakter der Scheibe. In diesen Titeln kommt es zur Hochzeit der Genre Fusion und Rock in einer sehr gelungenen und überzeugenden Art und Weise. Ganz anders verhält es sich dann beim Titel „Turning Around“, bei dem die jazzige Komponente sogar fast vollständig zurückgefahren wurde. Mit zahlreichen Streichern und Bläsern ausgestattet, entwickelt sich hier ein Lied, welches überaus symphonisch und sehr harmonisch klingend aus den Boxen quillt. Nicht typisch für die Scheibe, jedoch ebenfalls eine weitere gelungene Auflockerung.

Fazit: Jazz Fusion ist nicht unbedingt die Musik, in der ich mich zu Hause fühle und mit der ich besonders viel anzufangen weiß – wenn diese zu sehr im Jazz angesiedelt ist. Wenn jazzige Musik allerdings wie auf „Doldinger’s Motherhood“ auf solch gelungene Weise mit dem Genre Rock fusioniert, dann kann mich das doch begeistern. Progressive Rock meets Jazz in einer spannenden Form. Lohnt durchaus, hier mal ein Ohr zu riskieren. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Devil Don't Get Me, Song Of Dying, Turning Around